Seit dem sich der amerikanische Social Bookmarking Pionier del.icio.us in der Bloggerszene seinen Weg gebahnt hat, entstehen langsam aber sicher auch immer mehr deutschsprachige Portale, die sich Web2.0 auf die Fahnen geschrieben haben. In einigen Foren und Weblogs werden die „Sozialen Lesezeichen“ schon als Nachfolger von klassischen Webkatalogen, wie beispielsweise dem ODP gesehen.
Doch was ist dran an Mister Wong, Taggle und Co.? Welche Vor- und Nachteile haben sie gegenüber Webkatalogen? Und sind damit jetzt die klassischen Lesezeichen im Browser überflüssig?
Dienstag, 18. Juli 2006
Social Bookmarks – Nachfolger von Webkatalogen!?
Die Stärken von Social Bookmarks
Schaut man sich die Statistik beispielsweise von Mister Wong an, so wurden in den ersten drei Monaten nach dem Launch über 30.000 Urls von den „Wongisten“ hinzugefügt. Vergleicht man diese Zahl mit dem aktuellen Statusreport des DMOZ, wo die Anzahl der Einträge im gesamten Verzeichnis (alle Sprachen) im Monat April um 24.200 gestiegen ist, erscheint das Wachstum an Links schon sehr beachtlich.
Vor allem neue Webangebote finden schneller den Einzug in einen Bookmarking-Dienst als in herkömmliche Webkataloge, da viele Editoren und Katalogbetreiber die Anmeldungen nach dem Motto „First come, first served“ bearbeiten.
Ein weiterer Pluspunkt geht für den „sozialen und verknüpfenden Gedanken“ auf das Konto der Social Bookmarks, der hinter dem Veröffentlichen und Austausch persönlicher Webfavoriten steht. Durch spezielle Funktionen, wie beispielsweise die Buddy-Liste und die Gruppen bei Mister Wong, lassen sich online schnell Gleichgesinnte finden und (theoretisch) Kooperationen aufbauen. Zwar gibt es auch im Open Directory Project mit einem internen Forum, Editorentreffen sowie Chat-Kanälen jede Menge Möglichkeiten zum Austausch und zum Community-Spirit, jedoch ist die Aufnahme als ODP-Editor etwas aufwendiger als die einfache Registrierung bei Social Bookmarking Tools.
Die Stärken von Webkatalogen
Dennoch haben klassische Webverzeichnisse eine Reihe von wesentlichen Vorteilen gegenüber den Lesezeichen-Diensten. Als wichtigster Punkt erscheint dabei die Themenvielfalt. Das Open Directory Project bietet neben dem Regional-Zweig und dem Verzeichnis für Kinder und Jugendliche insgesamt dreizehn Themenzweige, die sich von Online-Shops über gesellschaftliche und kulturelle Themen bis hin zum Sport erstrecken. Wirft man jedoch einen Blick auf die Tag-Cloud (Stichwort-Wolke) von Mister Wong oder icio.de springen dem User mit Blog, Blogs, Software, Webdesign, Internet, News vor allem web- und computeraffine Begriffe entgegen. Links zu bestimmten gesellschaftlichen Bereich, Sportarten oder auch Unternehmen aus dem B2B-Bereich tauchen dort bislang kaum auf. Je weiter das gesuchte Thema also vom Web- und IT-Bereich entfernt ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man mit Hilfe von Social Bookmarks nützliche Internetquellen findet.
Eine weitere Schwäche von Social Bookmarking Anwendungen ist es, dass die Mitglieder keine sauberen Urls speichern. Wird im ODP sehr darauf geachtet, die kürzeste und stabile Url in den Katalog aufzunehmen, verfügen Bookmarking-Anwender nicht über dieses Know-How und die entsprechende Sensibilität. Mit den zur Verfügung gestellten Toolbar-Buttons werden nicht selten Session IDs oder index-Dateien mit abgespeichert, die mittel- und langfristig zu Fehlermeldungen führen werden.
Des weiteren bieten die abgespeicherten Lesezeichen nur wenig Futter für die integrierten Suchfunktionen, da lediglich die Urls mit dem "Title-Tag" als Linktext „gebookmarkt“ werden und auf eine Beschreibung des Inhalts überwiegend verzichtet wird. Ein Eintrag in klassischen Webverzeichnissen bietet mit der obligatorischen Beschreibung, die manchmal auch bis zu 1000 Zeichen in Anspruch nimmt, mehr Möglichkeiten, um relevante Treffer mit der Suchfunktion zu erzielen. Bei Social Bookmark Systemen muss der User sich eher von Tag zu Tag hangeln, um relevante Infos zu bekommen.
Damit ist auch gleich ein weiterer Pluspunkt für Webverzeichnisse verbunden. Der Editor oder Katalogbetreiber ist daran interessiert, eine aussagekräftige Beschreibung über die Inhalte der Website zu formulieren. Der User soll also mit der Beschreibung eine Entscheidungshilfe bekommen, ob sich der Klick auf den Eintrag lohnt – sprich die gesuchten Informationen dort vorhanden sind. Bei Social Bookmark Anwendungen werden aber nur bei schätzungsweise einem Fünftel Beschreibungen vorgenommen, da diese auch nur optional sind. Der User klickt folglich sehr oft „ins Blaue“ hinein, ohne bestimmt zu wissen, welche Infos ihn erwarten.
Darüber hinaus werden Social Bookmarks auch nicht die klassischen Favoriten oder Lesezeichen im Browser ablösen. Denn nicht jede auf dem Rechner abgespeicherte Url, die den schnellen Zugriff ermöglichen soll, ist für die Allgemeinheit bestimmt. Auch wenn beispielsweise Mister Wong eine Funktion für private, nicht-öffentliche Bookmarks hat, gibt es dennoch Fälle, wo man sensible Daten nicht in fremde Datenbanken speichern sollte. Dies trifft sicherlich auf Direct-Login-Urls für e-Tracker und andere Dienste zu sowie auf Login-Adressen für Webhoster, Banken etc. Zudem werden die Browser-Lesezeichen nicht nur zum Speichern informativer Webseiten genutzt. In vielen Fällen werden damit auch Wettbewerber und Content-Diebe gespeichert, die man sicherlich nicht anderen Usern empfehlen möchte, zumal einige Social Bookmarking Tools auch zur Steigerung der Linkpopularität beitragen.
Und damit wird auch gleich auf einen weiteren Minuspunkt übergeleitet. Die Möglichkeiten des Missbrauchs und der Manipulationen sind bei Social Bookmarks größer als bei Webverzeichnissen. Verfügen beispielsweise einige Verzeichnisskripte über Funktionen wie „Defekten Link melden“ oder Abuse Reports im Open Directory Project, sind bei den Social Bookmarks keine Kontrollmechanismen integriert. Damit lassen sich sehr einfach Baustellenseiten oder auch geparkte Domains verlinken, ohne dass irgendwelche Sanktionen folgen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Webkataloge noch lange nicht ausgedient haben und nun durch neue Social Bookmark Anwendungen obsolet geworden sind. Vielmehr sollten die Online-Lesezeichen als sinnvolle Ergänzung gesehen und deren deutliche Stärke als aktuelle Infoquelle für computerverwandte Themen sinnvoll genutzt werden. Insbesondere bleibt abzuwarten, wie sich der Datenbestand der Social Bookmarks entwickelt, wenn SEOs und Webmaster sie verstärkt als Promotionmittel einsetzen oder auch zahlreiche Deeplinks durch Redesigns von Webseiten fehlerhaft werden.

Bei den Beschreibungen des Dmoz kann ich allerdings nicht erkennen wo da ein Unterschied ist zu einem normalen Titel. Die sind in der Regel auch viel zu kurz.
Aaaaber. Ich bezweifle ob jmd. ausser mir damit etwas anfangen kann.
Die Beschreibungen sind doch recht "dürftig".
Imho ist das größte Plus des ODP die strikte Kategorisierung und Vernetzung mit anderen Sprachen. Finde ich keine passende Software für ein Forum unter Internet: PHP: Skripte: Foren schau ich eben im englischen Pendant.
Allerdings wird das Social Bookmarking durch das Entstehen ständig neuer Clones auch nicht unbedingt besser wie Thomas Frütel schon vor längerem anmerkte.
Es ist IMO schon ein Unterschied, ob beispielsweise die Website der GPM mit:
Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. - Der deutsche Berufs- und Fachverband für Projektmanagement bietet umfangreiche Information zu den Bereichen Qualifizierung und Zertifizierung, sowie Literaturlisten, ein Diskussionforum und einen Marktplatz. [D-90419 Nürnberg]
oder nur mit:
GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V.
erfasst wird.
Aber das ist sicher auch Geschmackssache.
Delicious ist sicher der Platzhirsch. Aber können damit auch Leute ohne Englischkenntnisse etwas mit anfangen? Daher halte ich persönlich 1-3 Social Bookmarks aus dem deutschen Bereich durchaus für sinnvoll. Mehr aber auch nicht. Oder wieviele Suchmaschinen, Online-Marktplätze, etc. braucht der Mensch?
Und die wichtigen Adressen habe ich im Kopf bzw. finde sie über Google & Co. schnell wieder.
Wieviele Suchmaschinen der Mensch braucht, ist eine interessante Frage. Manche Sachen findet man tatsächlich mit Yahoo oder Exalead besser als mit Google. Und Postleitzahlen suche ich nur noch über das ODP
Es bleibt abzuwarten, ob man innerhalb des ODPs die Zeichen der Zeit erkennt und damit beginnt, auch langfristige Technologiekonzepte zu entwickeln, die das ODP nicht nur als private Bookmarksammlung sehen, sondern auch der Popularität und Aktualität Aufmerksamkeit zollen.
tomparis hat Recht, es muss was passieren.
Dann gibt es vielleicht auch wieder mehr Editoren.
Manchmal denke ich, ich bin allein in Sachsen.
Ist nicht ganz so, gibt noch ein paar Gemeindeeditoren, aber Landkreise
Aber auch was aus zentralen Bereichen jetzt so beim Großreinemachen alles noch an alten Beständen kommt, ist nicht feierlich.
Auf geht´s, noch 500 Grüne!
Vorsicht: Bei dem Wert "24.200" handelt es sich um den Nettozuwachs, d.h. die Differenz zwischen den entfernten und gelisteten Einträgen. Nicht um die Anzahl der neu gelisteten Einträge.
Rein vom Nutzen her, sind social bookmarks einfach besser, weil man leichter passende links findet als durch eine suche im webkatalog wo irgendwelche webmaster keywords einfplegen, die nicht unbedingt zur seite passen...
Ich weiß zwar nicht, auf wen sich dein Kommentar bezieht, aber bei Abakus habe ich mich noch nie zu Social Bookmarks geäußert. Mein bislang einziger Post beschränkt sich wohl auf Google Maps und die Lokale Suche.
Social Bookmarks sind eine gute und wichtige Ergänzung. Sie sind genauso weder nur gut als nur schlecht wie Webkataloge.
Der GROSSE Vorteil des ODP ist die feste Struktur und die Verknüpfung mit allen möglichen Sprachen.
Wenn man das ODP aktiv nutzt wird man die Struktur zu schätzen lernen.
btw. mehrere Monate im Netz sind ja mehrere Jahre im Real Life
Es gibt jetzt auch www.getaggtes.de
Und für den Besucherstrom ist Social Bookmarking noch effektiver als DMOZ oder andere Webkataloge. Man muss nur gute Inhalte schreiben.
Ich muss beruflich ständig an andere Rechner und seit delicious habe ich meine Favoriten jetzt immer dabei!
Darüber hinaus sind mir durch die tags schon eine Menge neuer guter Seiten aufgefallen, die ich mit google niemals gefunden hätte.